Den Archetypen auf der Spur

Archetypenarbeit nach Anke Sommer

Die Archetypenarbeit ist ein Anteil der Persönlichkeitsentwicklung, die ich innerhalb der Workshop-Reihe LEADERSHIP COACHING praktiziere. Auf Wunsch arbeite ich hieran auch außerhalb der Workshop-Reihe, bei Ihnen vor Ort, mit Führungskräften und Teams.

Hinter jedem Archetyp stehen große, persönliche sowie auch gesellschaftliche Aufgaben. Störungen, die man im Leben wiederholt erlebt, lassen sich nicht selten auf die Nichtnutzung der Archetypen zurückführen. Auch versteht man Reaktionen anderer oft im Nachhinein, wenn man diese auf den Archetypus projektiert. So wird eine sich wiederholende Reaktion zum Spiegel eines Archetyps. Auch Beziehungskonflikte können von weitem betrachtet eine Gegenreaktion auf einen gegensätzlichen Archetypus darstellen. Die Arbeit mit dem Archetypus ist ebenfalls ein Modell für die Führungskompetenzentwicklung. Durch die Bewusstwerdung der eigenen Ausrichtung, wird die eigene Arbeit durch die Kraft der Aufgabe des Archetypus gestärkt und bereichert.

Einleitende Gedanken

Jede der neun Archetypen birgt ein unterschiedliches Führungspotential. Es gilt dieses zu finden und diesem zu folgen. Es gibt viele Möglichkeiten, sich die eigene Persönlichkeit zu erklären. Von einer Grafik eines Instrumentes was zum kollektiven Wissen gehört bin ich fasziniert, weil sie so deutlich die Dinge auf den Punkt bringt. Nur verstehen muss man dieses Instrument und psychologisieren sollte man es aus meiner Sicht ebenso wenig. Denn dann nimmt man diesem Instrument seine Ausdruckskraft. Die Aussage wird verwässert. Ich spreche von der Darstellung des Enneagramms. Über die Jahrhunderte hat sie sich gehalten. Vielerorts kam es in Verruf, wurde als ungenau und als unheimlich abgestempelt. Auch wird dem Enneagramm teilweise die Möglichkeit zur Typenbestimmung abgesprochen. Das Enneagramm stellt die 9 Archetypen dar und visualisiert ihre Verbindung untereinander.

In meiner Archetypenarbeit, innerhalb der Persönlichkeitsentwicklung, nutze ich die Grafik als Anschauungsinstrument, um das Spannungsverhältnis in jeder Persönlichkeit bildlich darzustellen und fühlbar zu machen. Damit entwickelt sich ein neuer Blick auf das persönliche Dilemma eines jeden Archetypus. Plötzlich versteht man den Konflikt und damit das Wachstumspotential, was im Spannungsfeld gebunden ist. Grundsätzlich braucht es einige grundlegende Erkenntnisse um mit diesem Instrument klar zu kommen. Dazu erkläre ich aus facilitatorischer, also Prozess begleitender Sicht, erst einmal das Bild des Enneagramms. Hier berufe ich mich ausschließlich auf die Erfahrungen, die ich in meiner Archetypenarbeit damit gesammelt habe.

Eine alte Abbildung und seine Rückschlüsse

Hierfür benutze ich die Darstellung mit alten Begriffen. Ganz bewusst ersetze ich nicht diese Titel, da jeder Titel aus meinen Augen gesehen, deutlich den Kern der Persönlichkeit ausdrückt. Jeder Archetypus ist geschlechtsneutral zu sehen, also kann er von Frauen wie auch von Männern besetzt werden. Im Modell erkennt man einen Kreis auf dem neun Archetypen abgebildet sind. Des Weiteren sieht man ein Dreieck an deren Ecken drei Archetypen sind, der Heilige, der Magier und der Held. Die sechs weiteren Archetypen sind durch ein Sechseck miteinander verbunden. Folgen wir von unten rechts den Linien so geht unser Blick vom Künstler zur Mutter, zum Krieger, zum Philosophen, zum Narr und letztendlich zum Herrscher.

Zerlegen wir das Bild so sehen wir drei Ebenen.  

  1. Den Kreis (das Göttliche, das Verbindende);
  2. das Dreieck (Ebene der Vermittler zwischen den Welten)
  3. und das Sechseck (weltliche Ebene).

Archetypen_Ebenen

Der Kreis

Der Kreis ist die Ebene, die alles umfasst. Die einen nennen es die göttliche Kraft, andere sprechen vom Allumfassenden. Der Kreis ist eine positive Kraft, die Entwicklung und damit Erkenntnisse produziert, die dem Überleben und dem Wachsen der Allgemeinheit dient. Auf dem Kreis befinden sich alle Archetypen. Das erklärt den Platz, auf dem sich alle Archetypen im Guten treffen können.

Das Dreieck

Je mehr die Archetypen auf dem Dreieck (Heiliger, Magier und Held) erkennen, dass es keine Verbindung mit dem Sechseck gibt, als der Kreis, der alles umfasst, desto mehr holen sich diese drei Gruppen Kraft im Dreieck. Schaut man sich die Menschen, die diese Archetypen bedienen an, so merkt man, dass sie die Dinge oft anders sehen und auf eine andere Weise denken, als die weiteren sechs Persönlichkeitsgruppen. Mit anders ist eine verstärkte Hinzunahme von Spüren und Sehen in Kombination gemeint. Es fällt auf, das die Archetypen auf dem Dreieck, auch wenn sie selbst keine Ahnung haben wie sie sich einordnen sollten, schwerer greifbar für die Außenwelt sind.

 

Der Heilige, zwischen Einsamkeit und Glückseligkeit

Der Heilige fällt durch eine erhöhte Distanz auf und sieht die Dinge oft übergeordnet. Er wird scheinbar rational gesteuert. Er wirkt eher distanziert und hat Schwierigkeiten Nähe zu fühlen. Auch kommt es vor, dass sich Vertreter dieser Gruppe als lebenslang gemobbt ansehen, weil die anderen sie nicht verstehen und sie selbst Anschlussschwierigkeiten haben. Sie fühlen sich ausgegrenzt. Nimmt der Heilige seine Distanz an, verschwindet der Schmerz hinter der vermeintlichen Isolation. Nun kann er im Dienste der Allgemeinheit wirken und seine übergeordnete Sicht einer breiten Masse zur Verfügung stellen. Im entwickelten Stadium geht von ihm, insbesondere auch für das Dreieck, eine große harmonische und ruhige Kraft aus. Je entwickelter dieser Archetypus ist, desto mehr versteht ihn die Außenwelt. Seine Distanz ist Teil von ihm und bleibt bestehen.

Der Magier, zwischen Heilung und Vernichtung

Menschen, die auf den Archetypus Magier zutreffen, sind für andere eher schwer begreifbar, weil sie, wenn sie sich entwickelt haben, Dinge wahrnehmen können, die für andere schlicht und weg nicht wahrnehmbar sind. Der Magier übersetzt das was er wahrnimmt und macht es den übrigen begreifbar. Das ist seine Aufgabe. Die Schattenseite des Magiers ist seine Besonderheit. Nimmt er sich dieser nicht an, so wirkt er nach außen entweder unheimlich oder nicht fassbar und wird gerne in irgendwelche anderen Zuordnungsschubladen gesteckt. Für den Magier ist es wichtig, diese seine Besonderheit erst einmal wahrzunehmen, dann anzunehmen und sich nicht stigmatisieren zu lassen. Je demütiger er seine Kompetenz für die Allgemeinheit nutzt desto positiver wird er nach außen angesehen. Der Archetypus Magier hat daher einen besonderen Zugang zum Erfolg. Sein Leben ist nicht selten von Widrigkeiten gepflastert, bis er lernt, sie als Teil seiner Aufgabe anzunehmen. Entweder er geht an diesen Widrigkeiten kaputt oder er wächst über sie hinaus. Damit kann er seine Wahrnehmungskompetenz selbstverständlich und zum Nutzen aller anwenden.

Der Held, zwischen Rettung und Selbstzerstörung

Der Held hat viel damit zu tun, in seine Kraft zu finden. Er erlebt nicht selten einen von außen gesehen entsetzlichen, inneren Zerstörungskampf. Seine größte persönliche Aufgabe ist es, sich selbst zu vertrauen und nicht Halt im Äußeren zu suchen. Innerhalb dieses Prozesses leidet er viel und sucht nach Stabilität, die er außen aber nicht findet. Hat der Held gelernt, dass nur er selbst sich Stabilität bringt, wächst er über sich hinaus. Dann vermag der Held Aufgaben zu bewältigen, die kein anderer mehr halten kann. Der Konflikt des Helden ist so stark, dass seine besondere Kompetenz nicht wahrgenommen werden kann, sofern er in der Selbstzerstörung bleibt, die in seinen Zweifeln und Ringen nach Halt vorhanden ist.

Die Hauptaufgabe der Archetypen des Dreiecks ist, eine Verbindung zwischen der weltlichen und der allumfassenden Ebene herzustellen. In ihrem Schaffen verbindet sich der Kreis mit allen Archetypen des Sechsecks und wird allen begreiflich und somit nutzbar gemacht.

Das Sechseck

Das Sechseck erkennt, dass es keine Verbindung hat zum Dreieck. Der Archetypus Herrscher hat hiermit die größten Akzeptanzprobleme, da er einen Absolutismus in sich trägt und die Vollkommenheit anstrebt. Das Sechseck besitzt in seinen Archetypen ebenso große Aufgaben, die im weltlichen gebunden sind. Die Aufgaben im Sechseck bedingen einander (siehe Linienführung der Skizze).

Die Mutter, zwischen Segen und Fluch

So schafft zum Beispiel die Mutter Raum zum Wachsen und zum Gedeihen. Sie besitzt weise Gedanken, die sich nicht selten in der Forschung und in der Literatur wiederfinden. Die Mutter ist ein guter Vordenker und wenn sie im Herzen ist,- ihre Verbindung zum Kreis-, dann wächst sie über sich hinaus. Auch Führungsaufgaben liegen ihr. Die Schattenseite der Mutter ist ihre Umgangsweise mit Beziehungen. Schnell wird aus der Beziehung eine Pflicht und sie erinnert auch daran, indem sie im nicht entwickelten Zustand, die Beziehungen einfordert, erzwingt und Abhängigkeiten aufbaut. Das ist ihr unbewusst. Geht die Mutter nicht in ihr Herz, so entsteht ein Zug zum Krieger. Sie kämpft und letztendlich verbrennt sie im Kampf, sollte sie den Weg in ihre wahre Kompetenz nicht finden, ihrem großen Herzen, was voller Geben und Liebe ist. Der Archetypus Mutter ist im entwickelten Zustand die Verbindung zur göttlichen Natur. Das ist ihr Zutritt in den Kreis.

Der Narr, zwischen Leichtigkeit und Entrückung

Der Narr in seiner Leichtigkeit und hohen Intelligenz gleicht den Schatten des Herrschers aus und rettet so mehr als einmal die Welt vor den machtvollen –nicht immer guten Gedanken und Taten- des Herrschers. Oft ist der Narr der Berater eines machtvollen Herrschers. Wo der Herrscher auf Grund seiner Verbissenheit, die in seinem Naturell liegt, nicht fähig ist sanft zu führen, springt der Narr ein. Er lenkt die Wut, die durch den Herrscher ausgelöst wurde auf sich und relativiert so die Handlung des Herrschers. Denn dieser hätte mit Zorn antworten können, der durch die Kraft des Herrschers gefährlich wäre. So verhindert der Narr, dass der Herrscher in Zorn gerät. Der Narr ist der Feingeist im Sechseck. Verbindet er sich mit seiner Liebe, die er in sich trägt, so geschieht alles in einer erstaunlichen Leichtigkeit. Tut er das nicht, verbittert er und verliert seine größte Kompetenz. Er erliegt den dunklen Gedanken und verschanzt sich in diesen. Somit entrückt er der weltlichen Welt und wird als Sonderling aufgefasst. Seine ursprüngliche Lebensfreude verschwindet. Die Aufgabe des Narren ist es, sich mit seiner Liebe zu verbinden und die Feingeistigkeit zu feiern und diese zum Nutzen für die Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen.

Der Herrscher, zwischen Größenwahn und Kreativität

Der Herrscher vereint Macht und Kraft in einem. Der Herrscher schafft mit seiner überbürdenden Kraft Größe, Arbeit und Lebensräume, was wiederum äußerst positiv ist. Was kaum einer nachvollziehen kann ist das Spektakel, was sich innerhalb des Herrschers abspielt. Er ist der einzige Archetypus, der zwei Kräften permanent parallel ausgesetzt ist. Während die eine Kraft ihn zur Größe und Perfektion treibt, sucht die andere Kraft nach kreativem Ausdruck und Glück und Vollkommenheit. Sein Dilemma entsteht, wenn er versucht einmal dem einen und zum anderen Mal den anderen Pol zu beziehen. Es ist quasi unmöglich. Wichtig ist, dass er erkennt, dass die Mitte sein Platz ist. Nur hier bekommt der Herrscher die Verbindung zum Kreis. Aus der Mitte heraus entsteht um den Herrscher herum ein kraftvoller Ort, voller Möglichkeiten, Wachstum und Größe.

Der Krieger zwischen Wahrheit und Untergang

Denkt man an den Krieger, so vermutet man Kampf in diesem Archetypen. In der Tat stehen viel mehr Aspekte hinter dem Krieger. Er hat einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und steht für seine Ideale. Ein entwickelter Krieger zieht das kriegerische Vorgehen erst dann in Betracht, wenn es keine andere Möglichkeit mehr gibt, als die Verteidigung der Ideale. Seine Achillesferse ist das Gefühl, das Herz. Geht es zu, so kann ein Krieger kalt werden. In diesem Falle tritt das Ideal, wofür er lebt in den Hintergrund und wird von der Zerstörungswut abgelöst. Das macht den Archetypen Krieger negativer als er wirklich ist. Denn schaltet der Krieger sein Gefühl aus kann er großen Schaden anrichten. Lebt er im Gefühl, so sind Krieger liebevolle Menschen, die sich für das Gute in der Welt einsetzen. Sie sind kraftvolle Führungskräfte mit einem erstaunlichen Kalkül für die geschäftlich richtige Entscheidung. Die größte Aufgabe des Kriegers ist es, in seinem Gefühl zu bleiben und nicht blind um Ideale zu kämpfen, was im Endeffekt zur Schließung seines Gefühls führt.

Der Philosoph, zwischen Geistesblitz und Verknöcherung

Der Philosoph ist zerbrechlich, wenn er nicht seine Aufgabe findet. Das Spannungsverhältnis im Philosophen befindet sich zwischen dem weltlichen und dem geistigen Raum. Er sieht die Dinge aus der Ferne, was ihn oft mit dem Archetypus Heiliger verwechseln lässt. Hingegen des Heiligen besitzt er keinen besonderen Zugang zur Wahrnehmungsebene. Auch seine Aufgabe unterscheidet sich maßgeblich. Seine Kraft liegt in den Gedanken begraben. Verbindet er diese mit seinem Gefühl, wächst er über sich hinaus und kann die Welt mit seinen Werken berühren. Sagt er sich dem Gefühl ab, verknöchert er zunehmend. Seine Werke verlieren Bodenhaftung und können von allen Übrigen kaum bis gar nicht mehr verstanden werden. Hier verliert er sich nur zu leicht in der Verbitterung und verhärmt an dieser. Das ist seine Art des Krieges gegen sich selbst. Seine Aufgabe ist es also, sich mit seinem Gefühl zu vereinen und seine Gedanken zur Bereicherung anderer auszusprechen.

Der Künstler, zwischen negativer und positiver Macht

Der Künstler vermag die Welt zu berühren, wie kein anderer der Archetypen. Seine Begabung liegt in der Verschmelzung von Gefühl und Vermittlung. Das ist die Macht des Künstlers, zu berühren und damit zu verändern. Unabhängig auf welche Seite er geht, auf die positive und helle oder auf die negative und dunkle, er beeinflusst Massen. Folgt er dem Guten so bringt er der Öffentlichkeit das Gute, auf der anderen Seite geschieht das Gegenteil. Das ist sein Zugang zur Macht. Verbindet er sich mit seinem Herzen, seinem Gefühl wird er viel Gutes erreichen, denn entwickelt man den Archetypen Künstler, so kommt er an der Öffentlichkeit nicht vorbei. Auch wenn er im Verborgenen arbeitet, seine Werke finden den Weg in die Öffentlichkeit. Damit trägt der Künstler eine hohe Verantwortlichkeit, denn sein Schaffen beeinflusst und stärkt eine Seite, die gute oder die schlechte; die liebevolle oder die zerstörerische Seite im Menschen. Für den Künstler ist die Frage nach der Entscheidung, positiv oder negativ, eine Kernfrage. Denn von seiner Entscheidung hängt ab, in welche Richtung seine Macht und Kraft wirkt.

Nachwort

Ich hoffe, ich konnte Sie gut inspirieren über ihre Grundausrichtung nachzudenken. Ihnen wünsche ich, dass Sie sich mit Ihrem Archetypus verbinden und Ihre daraus folgende Kompetenz zum Nutzen anderer leben. Ich bin gerne für Sie da, wenn Sie hierfür Begleitung wünschen. Gerne arbeite ich auch mit Führungskräften und deren Mitarbeitern.

Ihre Anke Sommer



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